• 25. Januar 2023

Gute und attraktive Ausbildung als Schlüssel gegen den Fachkräftemangel

Gute und attraktive Ausbildung als Schlüssel gegen den Fachkräftemangel
Treffen zum Thema Arbeits- und Ausbildungsmarkt: Rainer Radler (2.v.l.), neuer Geschäftsführer der Arbeitsagentur Detmold, empfängt die SPD-Abgeordneten (v.l.) Dennis Maelzer, Alexander Baer und Ellen Stock.

Detmold. Aktuelle Krisen lassen den Beratungsbedarf in den Arbeitsagenturen steigen. Dies war Thema des Besuchs der SPD-Landtagsabgeordneten Alexander Baer, Ellen Stock und Dennis Maelzer beim neuen Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Detmold, Rainer Radler. Besonders der Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit, der Ausbildungsmarkt sowie die Deckung des künftigen Arbeits- und Fachkräftebedarfs standen bei dem Austausch im Vordergrund.

Alexander Baer unterstrich den Anlass des Treffens: „Um langfristig zu planen und strategisch zu handeln ist der regelmäßige und regionale Austausch unabdingbar.“ Dass dies im Kreis Lippe besonders gut funktioniert, bestätigte Radler. Der aus Franken stammende Agenturchef stellte ein Plus der Region in den Vordergrund: „Ein Netzwerk wie in Lippe habe ich bisher noch nicht kennengelernt.“

Rainer Radler, der im August 2022 die Leitung der Agentur für Arbeit in Detmold übernommen hat, bestätigt die Einschätzung der Landtagsabgeordneten, dass die Region weiterhin einen stabilen und guten Arbeitsmarkt vorweist.

Ellen Stock war es besonders wichtig herauszufinden, welche Herausforderungen Radler nach seinen ersten Monaten im Amt wahrgenommen hat.

„Die Region zeichnet sich durch drei große Arbeitgeber sowie einen breiten Mittelstand als Fundament für einen stabilen Arbeitsmarkt aus, jedoch gibt es derzeit eine höhere Zahl von Langzeitarbeitslosen. Der größte Schwerpunkt der Arbeit der Agentur ist die Qualifizierung der Arbeitssuchenden. Mit entsprechenden Qualifikationen können diese schnell vermittelt werden. Für 2023 sind steigende Personalbedarfe prognostiziert und dieser Trend wird sich weiter in die Zukunft fortsetzen. Bis 2032 werden 25 Prozent der Fachkräfte in Rente gehen“, fasst Radler den Arbeitsmarkt kurz zusammen und prognostiziert einen steigenden Arbeits- und Fachkräftebedarf.

Im Fokus von Dennis Maelzer stand deshalb auch der Ausbildungsmarkt. Laut Radler zeigt dieser in Lippe noch immer einen leichten Überhang an Bewerbern, was im Gegensatz zum Trend in anderen Regionen in Deutschland steht. Dennoch sind einige Ausbildungsplätze unbesetzt.

Ein generelles Problem sei laut Radler, „dass spezielle Ausbildungsberufe wenig bekannt sind und sehr selten von Eltern oder Lehrern empfohlen werden“.

Als ehemaliger Firmenkundenbetreuer war es Alexander Baer wichtig herauszufinden, welche Verantwortung Unternehmen übernehmen können, um einem Fachkräftemangel in der Zukunft entgegen zu wirken. Und wie sich das Problem, dass trotz des Überhangs an Bewerbern für Ausbildungsplätze weiterhin offene Lehrstellen nicht besetzt werden, lösen lässt.

Fachkräfte der Zukunft kommen aus der Ausbildung

Radler betont: „Klar ist, die Fachkräfte der Zukunft werden weiter aus der Ausbildung kommen. Deshalb wünsche ich mir, dass Unternehmen Auszubildende noch mehr fördern und zeigen, dass eine Ausbildung oft sogar lukrativer sein kann als ein Studium. Berufs- und Ausbildungsmessen sind besonders wichtig, um gezielt für Ausbildungsberufe zu werben, die bisher nicht im Fokus von Jugendlichen sind. Jedoch muss auch eine Arbeitskultur geschaffen werden, in der auch Personen über 50 Jahre Zugang zum Arbeitsmarkt finden. Besonders Gewerkschaften können hierbei eine wichtige Rolle spielen. Dabei ist es langfristig viel wichtiger, nicht zwangsläufig den Fokus auf die Bilanz, sondern die Attraktivität des Arbeitsplatzes zu setzen, um Fachkräfte langfristig zu halten.“

Wichtig war es den drei Landtagsabgeordneten zu erfahren, welche Hausaufgaben sie aus dem Gespräch mit nach Düsseldorf nehmen können und welche Forderungen Radler an die Politik hat. „In der prognostizierten Zuwanderung sehe ich eine gute Chance, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, jedoch gibt es viele Hürden wie fehlende behördliche Berufsanerkennung. Diese Prozesse müsse deutlich vereinfacht werden und bürokratische Hürden müssen abgebaut werden.“ Erste Anfragen an die Landesregierung sind dazu bereits auf dem Weg. Besonders einig sind die Landtagsabgeordneten und Radler bei der Forderung nach mehr Jugend- und Schulsozialarbeitern.

„Der Fachkräftebedarf stellt uns vor viele Herausforderungen, deshalb ist es wichtig unsere Region zukunftssicher aufzustellen. Es kann nicht sein, dass über Fachkräftemangel geklagt wird und junge Menschen gleichzeitig keinen Ausbildungsplatz bekommen. Deshalb ist es richtig, dass auf Bundesebene eine Ausbildungsgarantie diskutiert wird“, bilanzierten Stock, Maelzer und Baer.

Foto: Maximilian Blome

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